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Was ich hier mache

Ich bilde für den staatlichen Radiosender “Voice of Vietnam” (VoV) vietnamesische Journalisten aus. Die Arbeit wird von deutscher Seite aus gefördert vom “Centrum für Internationale Migration und Entwicklung” (CIM). CIM ist ein Personalvermittler, der Teil der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist, und ausländische Experten in Entwicklungsländer vermittelt. Meinen Arbeitsvertrag habe ich allerdings mit dem vietnamesischen Radio: Das Radio hat meine Stelle ausgeschrieben, das Radio hat mich ausgewählt, und mein direkter Vorgesetzter ist der vietnamesische Redaktionsleiter, keine deutsche Behörde. Das ist aus meiner Sicht eine sehr sinnvolle Art und Weise von echter “Entwicklungszusammenarbeit”.
Mein Einsatzort ist derzeit vor allem die Auslandsabteilung von VoV. Das vietnamesische Radio hat ein Dutzend internationale Programme (Englisch, Französisch, Japanisch, Khmer, etc.) und sendet seit März 2006 auf auf deutsch.

Das heißt?

Mein Job besteht darin, die Nachrichten- und Beitragstexte der deutschen Redaktion (bestehend aus fünf jungen Frauen und einem Mann) zunächst einmal ganz simpel auf Rechtschreibung und Grammatik zu redigieren.

Gleichzeitig geht es natürlich auch um journalistische Standards: Kurze, nicht zu komplizierte Sätze. Klare, verständliche Wortwahl. Kampf gegen die Substantivierung im Deutschen. Möglichst wenig Zahlen. Zahlen einordnen und Vergleiche anbieten. Den Text möglichst so strukturieren, dass der Hörer nicht abschaltet, und sei es nur geistig. Und so weiter.

Darüber hinaus geht es auch um journalistisches Training im weiteren Sinn: Radiobeiträge planen, recherchieren, schreiben und produzieren. Allgemeinwissen, politisches, wirtschaftliches und kulturelles Wissen, Aussprache- und Sprachtraining. Und so weiter. Dazu mache ich in regelmäßigen Abständen auch Workshops für die Mitarbeiter des gesamten internationalen Programms, teilweise auch für Redakteure der Inlandsprogramme VOV1 und VOV2. Da mein Vietnamesische dafür noch nicht ausreicht, läuft das dann über Mitarbeiter, die dolmetschen. Solche Workshops dauern normalerweise ein bis zwei Wochen und machen sehr viel Spaß, weil man in Ruhe Zeit hat, gemeinsam zu diskutieren und an Schwachstellen zu arbeiten. Im Arbeitsalltag gehen solche Dinge natürlich oft im Stress und im Zeitdruck unter.
Vom Text zum Ton

Abends (normalerweise gegen 19 Uhr) wird von der deutschen Redaktion aufgezeichnet im Studio. Im Gegensatz zur englischsprachigen Redaktion, die mehrere Stunden am Tag live sendet, bringt die deutsche Redaktion bislang nur jeden Tag eine halbe Stunde Nachrichten, die zuvor aufgezeichnet werden. Inklusive Versprecher, Korrekturen und Schnitt dauert die Aufzeichnung für eine halbe Stunde Nachrichten durchaus rund eine Stunde. Gesendet wird dann erstmals 22.30 Uhr Ortszeit (GMT+7).

Einige der Dinge, die mir bei der Arbeit begegnen, werde ich in der Rubrik “Auf Arbeit” posten. Natürlich kann und will ich keine echten Internas ausplaudern. Das wäre wohl in keiner Firma der Welt möglich, und beim staatlichen Radiosender sicherlich erst recht nicht.

Internet oder UKW

Man kann uns natürlich auch hören. Die Nachrichten dauern wie gesagt jeweils etwa 30 Minuten und werden dreimal gesendet:

(Zeiten in GMT+1, also der Zeitzone in Deutschland; Sommerzeit)

17.30 Uhr bis 18 Uhr
20 Uhr bis 20.30 Uhr
23.30 Uhr bis 24 Uhr

Diejenigen von euch, die sich mit Kurzwellensendern auskennen, können auch ihr Radio hervorkramen und das Programm auf den Frequenzen 7280 kHz und 9730 kHz empfangen.

Wenn Zitate von Ausländern eingespielt werden, bin ich gelegentlich auch selbst zu hören, weil ich dann die Voice-Over-Texte auf deutsch spreche.

Internet-Radio

Direkter Link zum Radioprogramm VoV6 (internationales Programm).

Es sollte sich dann eine Seite öffnen, innerhalb derer der Windows Media Player startet und ansonsten sehr viel vietnamesische Schrift zu lesen ist, die euch aber nicht zu kümmern braucht. Man kann auch auf “English” umschalten, aber dann funktioniert bei mir zumindest der WMP nicht. Solltet ihr zu anderen als den oben angegebenen Zeiten einschalten, hört ihr entweder nichts, oder die Kollegen der anderen internationalen Programme (siehe oben: englisch, französisch, laotisch, russisch… usw.). Die senden zum Großteil das gleiche wie wir, allerdings hat jede Redaktion natürlich ihre eigenen Mitarbeiter und Redigier-Standards.

Viel Spaß beim Hören!

10 Responses to “Was ich hier mache”

  1. on 07 Jan 2007 at 16:23Peter Vaegler

    habe kürzlich eine sehr schöne Weihnachts/Neujahrskarte der VoV erhalten und wollte mal herauskriegen, wer sich hinter den Namen auf dem Foto verbirgt. Über Christian Oster habe ich leider nichts gefunden.
    herzliche Grüße von der Ostseeküste

    Peter Vaegler

  2. on 01 Jul 2007 at 01:21Ullrich F.

    Nachdem ich heute schon den Blog eines Schweizers in Hanoi (Liebesgrüße aus Hanoi) bei meinen Web-Recherchen gefunden habe, ist das mein 2. Treffer… Allerdings scheint mir, wir sind uns irgendwann schon mal “virtuell” begegnet, oder sollte ich mich irren ?

    Egal, werde auch diesen Blog bei mir linken und mich öfters hier informieren.

    Xin Chao
    Ullrich F.
    (VFU999)

  3. on 03 Jul 2007 at 23:07Tanja

    Ich finde schön, dass sie immer so schön über Hanoi schreiben.
    Tanja

  4. on 03 Aug 2007 at 17:08Michael

    Lieber Kollege,
    warum schreiben Journalisten Blog?
    Wenn jemand Journalist geworden ist, dann hat er Lust zu schreiben. Das merkt man jeder Zeile deines Blogs an - auch dein großes Talent. Und du nimmst teil an einer Kultur, die vielen Kollegen und Lesern verschlossen bleibt.
    Dennoch: Blogs sind Umsonst-Medien. Und je mehr Blogs von professionellen Schreibern es gibt, um so weniger geben Leser für Medien Geld aus. Du sägst gerade an dem Ast, auf dem du und viele deiner Kollegen sitzen. Da macht sich eine Kultur breit, die es als selbstverständlich sieht, Lektüre kostenlos anzugeben. Hast du schon mal Anfragen von Bloggern bekommen, deine Texte kostenlos zu übernehmen? Und die Blogger regieren zunehmend unverständlicher, wenn man das umsonst verweigert. Viele sind ja felsenfest überzeugt, Journalisten seien Schwerverdiener und hätten solches Kleingeld nicht nötig.
    Deine Artikel gehören in Bezahl-Medien und nicht in Umsonst-Medien.
    Du wirst verstehen, dass ich mehr als meinen Vornamen nicht preisgebe.
    Mit dennoch freundlichen Grüßen
    Michael

  5. on 03 Aug 2007 at 22:26admin

    Lieber Michael,

    ich muss dir hier antworten und hoffen, dass du nochmal vorbeischaust, denn ich gehe mal davon aus, dass eine E-Mail an die Adresse michael@schreibichnicht, punkt.de nicht ankommen würde. Auch nicht in Amsterdam.

    Ich verstehe deine Sorge, aber ich glaube, dass sie teilweise falsch ist. Mir ist sehr wohl bewusst, dass das Internet ein weites, weites Medium ist, jeder überall Zugriff hat, und sich auch kostenlos nimmt, was er kriegt. Trotzdem ist dieses Blog zunächst mal ein privates. Privat durften und sollten Menschen schon immer schreiben, was sie wollen. Und ich wollte meine Freunde und Verwandten nicht mit Massen-E-Mails bombardieren. Meine Leserschaft ist äußerst begrenzt, und besteht zum Großteil aus Personen, die ich kenne.

    Ich mache keine Werbung auf anderen Seiten, ich giere nicht nach Aufmerksamkeit, und ich habe schon mehrmals Leute gebeten, mich aus all diesen (und den von dir aufgezählten) Gründen nicht zu verlinken. Der eine oder andere hat sich nicht daran gehalten, das ist dann eben die von dir beschriebene Attitüde, von der ich mir aber nicht den Spaß verderben lassen möchte. Es kann gut sein, dass ich hier irgendwann den Riegel vorschiebe und ein Passwort drauflege. Damit würde ich aber vermutlich die Hälfte meiner Bekannten in Verwirrung stürzen, weil sie es nach zwei Wochen schon wieder vergessen hätten und es ihnen zu peinlich zu fragen wäre.

    Einige Themen, Ideen und Ereignisse habe ich im Übrigen sehr wohl schon verkauft, an Zeitungen oder Online-Medien. Dass sie zuvor schon einmal “veröffentlicht” und von ein paar Dutzend Leuten gelesen wurden, hat die Käufer zu Recht nicht interessiert.

    Für andere Themen (auch den von dir erwähnten Affen) bin ich auf erstaunlich wenig Interesse gestoßen. Im Übrigen habe ich lange genug in einer Zeitung gearbeitet, um zu wissen, dass der Feind der freien Autoren weniger das Internet ist, als der Sparzwang der Ressorts. Agenturen sind im Zweifelsfall immer günstiger, und man kann sie wild kürzen, ohne Scherereien zu bekommen.

    Die zweite Sache ist, dass ich manche Dinge in einem privaten Blog auch ein wenig humorvoller kommentieren kann, als das in einer Zeitung oder den meisten Medien möglich wäre.

    Wie dem auch sei, wenn du einen konkreten Vorschlag hast, wie ich meine Themen an die von dir genannten Bezahl-Medien oder Bücher unterbringe, dann höre ich mir den sehr gerne an. Du kannst mich auch unter mail ät frogier punkt com erreichen.

    PS: Ich gehöre übrigens auch zu der Sorte von Menschen, die fest davon überzeugt ist, dass das Internet nicht den Tod der Zeitung bedeutet, weil beides unterschiedliche Medien sind.

  6. on 03 Sep 2007 at 18:39Michael

    Lieber Kollege,
    Du schreibst, der Feind der Autoren sei weniger das Internet als der Sparzwang der Ressorts. Das ist richtig und auch wieder falsch. Und zwar falsch ist das Argument, weil dieser Sparzwang zustande kommt, weil immer weniger Leute Zeitungen, Bücher und Zeitschriften lesen. Und warum lesen sie das weniger? Weil es im Internet so viele kostenlose Angebote gibt.
    Wetterbericht, Dollarkurs, Kinoplan - alles das, was die Leser früher in der Zeitung gelesen haben, finden sie jetzt kostenlos im Internet. Da entfallen wichtige Gründe zum Kauf einer Zeitung. Das können wir Journalisten nicht verhindern. Wir können aber verhindern, dass die Leser auch noch schöne Lesetexte im Internet finden. Dazu sollen sie doch lieber Bezahlmedien kaufen.
    Mit nachdenklichen Grüßen
    Michael

  7. on 11 Sep 2007 at 16:22Higgins

    Hallo,

    mir gefallen die Einblicke, die Du gewährst, sehr gut.

    Wie sind die Arbeitszeiten in Vietnam (auf Radio bezogen), wieviele Tage in der Woche arbeitest Du und wie gut kannst Du als Westler dort von dem Gehalt leben ?

    Besten Dank für deine Antworten und alles Gute

    Higgins

  8. on 26 Mrz 2008 at 14:54Nam Nguyen

    Hi Du,

    schoen dass wir uns hier aufeinander mal “virtuell” zukamen. Wenn Du noch immer in Hanoi bist dann melde dich irgendwie,
    wir koennen zusammen mal ein Bierchen trinken.

    Mein Name is Hoai Nam, und habe auch viel mit den Deutschen zu tun in Hanoi.

    Bis bald.

    Hoai Nam

  9. on 03 Aug 2008 at 18:24Ben

    Habe jetzt den ganzen Blog durchgelesen.
    Hat mir großen Spaß gemacht und mich ein wenig vom langweiligen Alltag abgelenkt.

    Vielen Dank dafür!

    BEN

  10. on 08 Nov 2008 at 22:52Katja Lohmüller

    Hallo David,

    ich bin gerade auf dein Blog gestoßen und lese es mit großem Interesse.
    Liebe Grüße aus der Heimat,
    Katja (fka Holz)

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